Aus Hass wird Liebe: Im Ofen gerösteter Rosenkohl

Nach ein paar Jahren des offenen Hasses und Jahrzehnten kühler Ignoranz war endlich die Zeit der Versöhnung gekommen.

Begonnen hat alles vor langer Zeit. Das kleine Mädchen, welches sonst gerne Gemüse aß, mochte die Konsistenz und den Geschmack von Rosenkohl überhaupt nicht. Deshalb probte es eines Sonntagmittags den offenen Aufstand gegen den elterlichen Willen. Und verlor. Was die Abneigung gegen dieses Gemüse ins Unermeßliche wachsen ließ. Immherin kam nach diesem Theater nur noch selten Rosenkohl auf den Tisch. Jahre später zog sie zum Studieren in eine andere Stadt und bestimmte fortan selbst, was auf den Tisch kam. Rosenkohl war mehr als zwei Jahrzehnte nicht dabei. Die Rache war lang und gründlich.

Aber jetzt ist das Mädchen, nämlich ich, so langsam ein bisschen erwachsen geworden und bereit, dem Rosenkohl eine zweite Chance zu geben. Jules Clancy von Stonesoup ist es zu verdanken, dass aus der latenten Versöhnungsbereitschaft echte Neugierde wurde. Sie mochte nämlich als Kind auch keinen Rosenkohl und jetzt betitelt sie ein Rezept sogar  „Addictive roast brussels sprouts“.

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Den letzten Tritt in den Allerwertesten, den gerösteten Rosenkohl doch mal auszuprobieren, gab mir dann Frau Glasgeflüster. Mein Rezept ist eine Fusion aus Jules‘ und dem Glasgeflüster-Rezept plus ein wenig Jana-Eigenkreation, weil ich ja (fast) nie etwas 100% nachkochen kann, ohne dass mir eigene Optimierungsansätze einfallen. Es ist wirklich ein perfektes deftiges Wintergemüse und so gut, dass man glatt süchtig danach werden könnte. Und schnell + einfach ist es, wie alle Rezepte hier, natürlich auch.

Im Ofen gerösteter Rosenkohl für zwei

500 – 600 g Rosenkohl
Butterschmalz
Salz, Pfeffer, etwas Muskat nach Geschmack
Frisch geriebener Parmesan

Blumenkohl waschen, den Ansatz entfernen und die Röschen halbieren.

Den Ofen auf 200°C vorheizen.

In einer ofenfesten Pfanne auf dem Herd Butterschmalz zerlassen und die Blumenkohlröschen dort einige Minuten sanft anbraten, bis sie anfangen, zu duften. Dann die Pfanne in den vorgeheizten Ofen stellen und 10 bis 15 Minuten rösten, bis die Röschen leicht gebräunt sind.

Ich habe den Rosenkohl noch mit etwas Parmesan überrieben und zu einem rosa gebratenen Lammsteak serviert. Mit etwas mehr Rosenkohl, Käse und eventuell noch Schinkenspeck gibt der geröstete Rosenkohl aber auch eine leckere Hauptmahlzeit ab.

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27 Kommentare zu „Aus Hass wird Liebe: Im Ofen gerösteter Rosenkohl

    1. Ja, den solltest du wirklich unbedingt testen. Man kann den Rosenkohl auch noch mit gebratenen Schinkenspeckwürfeln oder mit Granatapfelkernen aufpimpen. Viel Spaß beim Ausprobieren 🙂

      Liebe Grüße
      Jana

  1. Das Rezept klingt super (einfach, lecker und schnell). Ich bin auch so eine Bekehrte, ich hab über Jahre immer wieder versucht, Rosenkohl gut zu finden, hat aber nie geklappt. Bis ich ihn zerrupft und die Blättchen in der Pfanne angebraten und mit Granatapfelkernen serviert habe. Seitdem mag ich ihn. 🙂

    1. Dein Rosenkohl-Rezept liest sich aber auch sehr verführerisch und sieht mit den roten Granatapfelkernen bestimmt toll aus – was schon an sich ein Grund zum Nachkochen ist 😉

      Liebe Grüße und vielen Dank fürs Folgen
      Jana

  2. Also weiß Du was – bei mir war das auch so – genau so wie Du es beschrieben hast. Vor ein paar Wochen habe ich dann Rosenkohl geschenkt bekommen und ihm noch eine 2. Chance gegeben. Und siehe da – es war Liebe auf den 2. Blick. Die Zubereitung ganz ähnlich, wie Du es beschreibst.

    Ich glaube, ich mag ihn einfach nicht als Ganzes und nicht gekocht.

    Danke für Dein Rezept!

    lg
    Maria

    1. Ja, ich glaube, da liegt genau der Punkt: nicht als Ganzes und nicht gekocht 🙂 Hier sind in den Kommentaren zwischenzeitlich ja auch noch ein paar schöne Rosenkohl-Ideen mit ausgelösten Blättern eingetrudelt – die kann ich mir auch gut vorstellen.

      LG
      Jana

  3. Hallöchen. Ich musste bei deiner Geschichte unwillkürlich schmunzeln, hab ich mich doch darin wiedergefunden. Seitdem ich den Rosenkohl in der Pfanne röste, kommt er in den Wintermonaten fast wöchentlich auf den Tisch. Guten Appetit 🙂
    LG, Ute – Maschentraeumereien

  4. Hey liebe Jana,

    gaaaaanz lieben Dank für die liebe Erwähnung. Dein Rezept klingt auch echt lecker in dieser Kombination.
    Und die Fotos! *wasserimmundzusammenlauf*
    Ich schicke dir ganz liebe Grüße von Küche zu Küche,
    Britta

  5. Ich liebe eigentlich schon immer Rosenkohl, seit 2 Wochen will ich welchen kaufen, aber leider lacht mich da nur sehr Schrumpliges an, vielleicht habe ich diese Woche ja mal Glück, ich wollte auch mal den Kohl im Ofen machen, und jetzt erst Recht.
    lg Marlies

  6. der arme Rosenkohl fristet ein Dasein als ungeliebtes und missverstandenes Gemüse. man sollte dringend eine Petition für mehr-Beachtung-für-Rosenköhlchen ins Leben rufen. 😉

    wie schön, dass Ihr Euch jetzt angefreundet habt. Eine Variante, die auch nicht den typisch alten Rosenkohl-Muff inne hat, ist: den Partner oder liebe Freunde in die Küche einladen. von ihnen die Strünke vorsichtig auslösen und die Blätter einzeln abzupfen lassen. Währenddessen schon mal ein Glas Weißwein trinken, um den Koch auf Betriebstemperatur zu bringen. Und dann die einzelnen Blätter kurz blanchieren und mit ein paar gerösteten Mandelblättchen als Beilage servieren.

    Liebe Grüße,
    Natalie

    1. Ja, langsam tut er mir auch leid, der arme Rosenkohl. So schlecht wier sein Ruf ist er echt nicht. Vielleicht ist er einfach ein Erwachsenengemüse und man sollte allen Eltern verbieten, es (zwangsweise) an ihre Kinder zu verfüttern und damit jahrelange Neurosen auszulösen 😉

      Deine Variante liest sich auch verlockend, auch die Sache mit dem Weißwein gefällt mir ausgesprochen gut … muss nur schauen, wie ich es hinkriege, dass nicht am Ende die anderen lustig trinken und ich 120.000 Rosenkohl-Blättchen auszupfe 😉

      Liebe Grüße
      Jana

      1. „Gezupften Rosenkohl“ – oder Kohlsprossen, wie wir Ösis sagen – habe ich auch vor ein paar Jahren kennen- und liebengelernt, vor allem, weil das extrem schnell geht, auch das Zupfen ist nicht schlimm (außer, Du löst vier Kilo aus 🙂 🙂 ) Für die deftigere Variante röste ich ein paar Speckwürfelchen an und gebe etwas Kümmel dazu. Blättchen rein, Deckel drauf und schon die Herdplatte ausschalten.

        Ich habe Kohlsprossen allerdings schon immer sehr gemocht, weil meine Mutter sie zum Glück immer knackig serviert hat und nicht zu gelb-matschigen Kugeln verkocht hat. Ich glaub, das ist das Hauptproblem: Kohlsprossen gehören zu den Gemüsen, die landläufig gnadenlos totgekocht werden, anstatt mit etwas mehr Frische und Biss serviert zu werden.
        Dein Rezept muss ich unbedingt auch ausprobieren!!

        Liebe Grüße
        Andrea

        1. Oh, eine glückliche Kindheit ohne gelb-matschige Kugeln, die sich dann immer noch sehr merkwürdig kauen – ich beneide dich 😉

          Also jetzt werde ich langsam echt neugierig auf den „g’zupften“ Rosenkohl … heute ist ja praktischerweise Biomarkt und damit eine günstige Gelegenheit, Zutaten fürs nächste Rosenkohl-Experiment zu erstehen 🙂

          Liebe Grüße
          Jana

  7. Ich stehe ja auch mit dem Kohl auf Kriegsfuß, das Aroma jagt mich jedesmal. Sehr zum Leidwesen des restlichen Hauses. 😉 Vielleicht kann dein Rezept da abhelfen.

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